Vom Frühjahrsputz zur Müllpatin

Es wird langsam wieder wärmer und die Büsche und Bäume sind noch kahl. Das ist das ideale Wetter für einen Frühjahrsputz. Während der Planungsphase für putzmunter 2018 hab ich darüber nachgedacht, wieso man denn nur an diesem einen Tag Müll sammelt. Leider wird er ja täglich von vielen Hannoveranern im Stadtgebiet verteilt. Wäre es dann nicht besser, wenn jeder einzelne, der etwas dagegen tun will regelmäßig tätig wird, statt nur an einem Tag im Jahr zu sammeln… oder eben gar nicht, wenn man genau an diesem einen Tag keine Zeit hat?

Wie so oft bei guten Vorsätzen ist hier die Gefahr groß, dass die Motivation fehlt.  Ich kenne das selbst nur zu gut. Seit unserem Umzug im Herbst denke ich darüber nach in den Büschen um unsere neue Wohnung herum zu sammeln. In der Wohnung muss noch einiges renoviert werden, oft war es dunkel, wenn wir nachmittags nach Hause kamen oder es hat geregnet. Aber von alleine verschwindet der Müll nicht und jedes Mal, beim Parken seh ich ihn im Gebüsch liegen.

Also hab ich alte Plastiktüten, die sich in unserem Haushalt angesammelt haben, obwohl wir selbst keine kaufen ins Auto gelegt und als das Wetter und die Zeit mitgespielt haben hab ich ein paar Mal direkt nach dem Parken in der Nähe meines Autos gesammelt. Es waren jeweils nur ein paar Minuten aber wenn ich mir immer wieder das gleiche Gebiet vornehme, regelmäßig sammele und den Umkreis langsam erweitere, dann könnte ich doch sozusagen eine Müllpatenschaft für „mein“ Gebiet übernehmen, um dann immer weitere Kreise zu ziehen. Inzwischen hab ich auch herausgefunden, dass die Idee von Müllpatenschaften kein neues Konzept ist und in Deutschland schon vereinzelt Paten tätig sind. Von aha werden die Müllpaten bei Bedarf mit roten Säcken versorgt. Nach Absprache ist dann auch eine Abholung möglich. Die Wertstoffhöfe nehmen diese unsortiert befüllten Säcke nämlich nur am Tag der putzmunter-Aktion an und wenn ich erstmal außerhalb unseres Grundstücks sammele, dann brauche ich eine Alternative zum Müllcontainer der Hausgemeinschaft.

Um das Ganze ein wenig übersichtlicher zu gestalten und koordiniert vorzugehen hab ich mich nun ein wenig mit eigenen Karten bei Google Maps auseinandergesetzt.

Jetzt, wo ich erstmal angefangen habe, kommt die Motivation von ganz alleine: in der Ecke war ich noch nicht, dort hab ich noch was gesehen, wenn ich hier sammel, dann hab ich den Bereich erstmal fertig…

Ja, es ist frustrierend, wenn man den Müll sieht, der überall herumliegt.

Ja es ist entmutigend, wenn dort, wo ich gestern gesammelt habe heute schon der nächste Becher liegt.

Ja, es nervt, dass ich den Müll von anderen Leuten wegräume.

Aber

Es ist auch frustrierend, nervig und entmutigend den Müll dort liegen zu sehen und nichts zu tun. Von alleine wird sich nichts ändern, also fang ich bei mir an.

In diesem Sinne hab ich heute das gute Wetter genutzt und nachmittags im Gebüsch am Kanal und am Rand unseres Grundstücks gesammelt. Eine Kiste Altglas und ca. 2,5 Füllungen eines roten AHA-Sacks, der auch schon in Dänemark im Einsatz war. Es liegt immer noch genug für weitere Privateinsätze rum aber der ganze Müll ist ja nicht auf einmal dort gelandet, wo ich ihn gefunden habe. Er hat sich nach und nach angesammelt und weil Plastik ja so schön haltbar ist, ist er gekommen um zu bleiben. Jetzt wird er allerdings nach und nach aufgesammelt. Wenn ich also konsequent weitermache, dann stehen die Chancen gut, dass ich nach und nach meinen Radius erweitern kann. Ich muss nur schneller sammeln, als weggeworfen wird.

Aber ich hab mir dafür auch nicht gerade die leichteste Stelle ausgesucht. Der Bereich am Kanal wird gern genutzt, was die zwei Grills, zahlreiche Alkoholflaschen und sonstige Verpackungsreste sehr gut verdeutlichen.

Immerhin hab ich zwei große Schneckenhäuser und ein kleines Auto gefunden, dass nach der Reinigung wieder in Benutzung genommen wird.